Samstag, 12. Dezember 2015

Dieses eine Ding ... ohne das eine Autorin nicht arbeiten kann



Mein erster Gedanke, als meine liebe Kollegin Elke Aybar mir den neuesten Auftrag unserer Blogparade mitgeteilt hat, war:

Mein Laptop.

Gut, dafür bekommt man jetzt keinen Kreativitätspreis und darum haben sich meine deutlich kreativeren Kollegen mit diesem Ding gar nicht weiter befasst. Da ich bekanntlich nicht nur im Fußball ein Herz für die Underdogs habe, denke ich, dass in so einer Sammlung das Selbstverständliche doch nicht fehlen darf.

Vielleicht aber, bin ich auch nur noch abhängiger von diesem Ding. Da maße ich mir kein Urteil an.

Manchmal allerdings glaube ich, dass ich ohne dieses Gerät überhaupt nichts mehr tauge. Mein Mann spottet, ich sei mit dem Laptop förmlich verwachsen, was - wie ich nach einem kleinem Feldversuch nun sicher weiß - nicht stimmt. Ich kann mich sogar mehrere Meter von meinem Läppi entfernen, ohne dass es zu körperlichen oder seelischen Schmerzen kommt (Wenn man mal von einem verräterischen kleinen Aufatmen absieht, als ich die Tastatur wieder vor mir hatte).

Recherche

Ich benutze das Gerät zur Recherche im Internet. Zuletzt etwa über Weihnachtsbräuche, die Geschichte des Christbaums, Wintergottheiten und noch ein paar abgefahrene Fragen, die ich nicht verraten kann, ohne zu viel über den Vampire Master Guide auszuplaudern. Zur Klarstellung: Liebe Webspione und Cyber-Geheimdienste: Ich bin Autorin und recherchiere nur zu literarischen Zwecken. Ich plane weder Massenmorde noch Terrorakte und Banküberfälle!

Marketing

Marketing - also Promoaktionen auf Facebook, Google +, Twitter oder Pinterest (sobald mir mal eine gnädige Seele erklärt, wie das geht) gehen ja nur online. Und im Prinzip läuft auch die Live-Promo online ab, sowohl die Planung im Vorfeld, als auch die Nachbereitung, wie etwa Fotos posten und sich mit Freunden über das Erlebte austauschen. Oder auch dieser Blog hier, der von hoffentlich vielen Menschen gelesen wird: Virtuell mit den Kolleginnen verabredet, virtuell geschrieben, virtuell veröffentlicht und gelesen. Ohne Laptop ging da gar nichts.

Faulenzen oder vornehmer: Prokrastrinieren

Autoren sind notorische Faulenzer, lungern auf Facebook herum, tummeln sich in Autorengruppen, posten neben dem unvermeidlichen Cat-Content hübsche Bildchen - je nach persönlicher Leidenschaft und beschriebenem Genre - von sexy Männern, melancholischen Landschaften, Laserschwertern oder der Tardis. Manche - so wie ich - auch von allem. Auch Online-Spiele werden Facebook zufolge von Autoren überproportional häufig in Anspruch genommen. Ich habe mich da lang geschämt, weil ich so ineffizient und undiszipliniert bin. Inzwischen sehe ich das entspannter. Kreativität ist die Voraussetzung zum Ersinnen einer Geschichte, und die lässt sich nun mal nicht zwingen. Manchmal würge ich buchstäblich über Stunden an einem dürren Absatz, um dann plötzlich, als würde ein Knoten platzen, sieben Seiten in weniger als einer Stunde runterschreibe. Manchmal denke ich, das Faulenzen ist so eine Art kreativer Gärprozess, wo im Hintergrund unbewusst, unterbewusst, nebenbei die wirren Plotfetzen und Szenenideen zu so etwas wie einer Geschichte verschmolzen werden, während man sich vordergründig über Nebensächlichkeiten austauscht, Highscores nachjagt oder Plätzchenrezepte austauscht.

Ich hatte mir auch schon überlegt, ob ich Fantasie und Kreativität als das eine Ding vorstelle, aber auch wenn das vielleicht arg kleinteilig gedacht ist: Beides sind keine Dinge, sondern Urgewalten und als solche möchte ich ihnen auch einen gesonderten Beitrag widmen. Irgendwann ... wenn ich mal wieder faulenzen will ohne mich faul zu fühlen (der Hauptgrund vieler meiner Blogbeiträge). :)

Schreiben

Und dann, wenn die Geschichten "reif" sind, brauche ich mein "Zauberkasterl" natürlich zum Schreiben selbst. Ich schreibe inzwischen eigentlich alles, entweder auf dem Laptop (!) oder zur Not auf Pads und Handys. Obwohl ich früher gern und wie ich finde, schön geschrieben habe, wird das inzwischen immer krakeliger. Alles, was über einen Einkaufszettel hinausgeht, wird getippt. Degeneration am lebenden Exempel.
Außer die Buchwidmungen neuerdings. Was echt eine Herausforderung ist. Nicht nur, weil ich mich immer noch so seltsam fühle, wenn mich Menschen um eine Widmung bitten, als wäre ich ein Promi oder so.
Sondern auch, weil ich dann ganz was Besonderes schreiben möchte, was Persönliches. Und natürlich was leserliches. Und spätestens da wird es schwierig. Ich muss mich echt bemühen, da nicht ins Schmieren und Krakeln zu kommen. Meine Zeilen wollen in den Himmel (Graphologen sagen, das sei ein Zeichen eines optimistischen Geistes), und generell habe ich eine rebellische Tendenz hin zum Rand, weg von der Mitte.


Oder ...?

Wenn ich mir es recht überlege, ist eigentlich ein schöner Stift noch viel wichtiger als der Computer. Den brauche ich zum Signieren der Bücher, auf dem kann ich beim Nachdenken herumkauen (und hey - ich denke viel über alles Mögliche und mindestens ebenso oft über Unmögliches nach), mit dem kann ich Schwertkampfszenen in Miniatur nachstellen oder ihn als Dummy-Zauberstab verwenden, und wenn mal der Strom ausfällt, dann kann ich mit ihm auch meine Texte schreiben. Wow.
Und wer mag, lässt sich meine Bücher von mir signieren.
Das ist eine gute Übung und macht allen Freude.


Und jetzt bin ich gespannt, was dieses eine Ding meiner Kollegen ist....

Elke Aybar, die zugleich einen spannenden Überblick gibt, was andere literarische Größen so als #daseineDing benötigt haben, bevor sie selbst auf einen ganz bescheidenen Wunsch zu sprechen kommt.

Hope Cavendish, deren Gedanken ganz wunderbar zu Elkes passen. Ich würde ja fast vorschlagen, dass die beiden - räumliche Nähe vorausgesetzt - ein wirklich phänomenales Schreibteam wären.

Bettina Lippenberger, die von Hope eingeladen wurde, und die Ideen von Elke und Hope aufgreift und ergänzt.

Kari Lessir, die sich dem Thema von einer sehr interessanten, mir nie in den Sinn gekommenen, philosophischen Seite nähert, um es dann künstlerisch zu beantworten.

Melissa David, die zwar meiner Meinung ist, irgendwie aber doch nicht. Ich habe übrigens immer noch kein Schreibprogramm und manage mehrere Serien und Einzelbücher sowie einen stetig wuchernden Stapel ungeschriebener Manuskripte in allen Stadien der Vorphase irgendwie mit Word und Datei-Ordnern. Oder sie mich - das weiß man im Hause Noa nie so genau.


Anja Bagus spricht dagegen etwas an, bei dem ich zuerst dachte, Bääääm! Stimmt, das ist das allerwichtigste. Aber dann dachte ich mir, nö. Wenn man die Frage genau nimmt, ohne was ich nicht arbeiten oder vielmehr worauf ich beim Arbeiten nicht verzichten kann... dann habe ich schon richtig geantwortet. Das, was Anja anspricht, das brauchen meine Geschichten dringender als ich. Auch wenn ich mich natürlich für sie herzlich freue, wenn sie es bekommen.


Neugierig geworden?   Hehehe. Das war der Plan.