Mittwoch, 4. November 2015

Vor 007 kommt 006. Nullnullsexy.


 Medienhype zu 007  - muss das sein?


Dieser Tage wird man ständig und überall gefragt, wann man in den neuen James Bond geht. "Wann" und nicht etwa "ob". Dass man als aktiv am Gesellschaftsleben oder überhaupt dem Leben in welcher Form auch immer teilnehmender Mensch dem beliebtesten Agenten, der Überserie die Ehre erweist, steht außer Frage.

Ich bin dann immer erstaunt, wenn viele, viele - teils durchaus belesene und gerne einschlägig lesende - Menschen völlig erstaunt die Augen aufreißen, wenn ich in der Besprechung der Vorstreifen erwähne, dass mir das Buch besser (oder auch weniger gut - je nachdem) gefallen hat.

Was? Da gibt es Bücher zur Serie?
Nein. Da gibt es Bücher, die später verfilmt wurden. Bücher von Ian Fleming. Was übrigens auch groß in jedem Abspann steht. Oder auch im Vorspann. Lesen bildet. Wenn man liest. Zur Not in der Wikipedia.

Ich mag die Filme. Und die Bücher. Ich erfreue mich speziell bei den alten Filmen an der Situationskomik und der (Selbst)Ironie, mit der die spektakulären Stunts und Actionszenen meine inneren Logikwächter beruhigen können (Deshalb mag ich den ernsten, neuen Bond nicht, was nicht heißt, dass ich die nicht mag, die ihn mögen).

Agenten und Frauen

Was ich nicht so mag, ist das Frauenbild, speziell der neueren Bonds, denen die unbeschwerte "Unschuld" vergangener Epochen in Bezug auf dieses Thema fehlt. Weil dort die Bond-Girls (angeblich) emanzipiert sind, was meist dazu führt, dass sie sich schlecht benehmen dürfen, bevor sie dann doch "James" hauchend breitbeinig in Ohnmacht fallen und alles verraten, was der Plot gerade für James Weltenrettung benötigt. Sofern sie nicht listig gleich auf seiner Seite stehen und nur einem anderen Weltenretterverein angehören, was irgendwie ein billiger Trick ist.

Und deshalb habe ich mal versucht, selbst eine solche Geschichte zu schreiben. Agentin 006y.
Als Fingerübung zwischendurch, ohne Fantasy und mit Erotik. Ich mag das Buch aus verschiedenen Gründen und spreche darüber auch auf meiner Homepage. Aber heute geht es um den Agentenaspekt. Spionage war und bleibt ein horizontales Geschäft, wie man spätestens seit der Enttarnung von Mata Hari weiß und wovon auch die VIPs seit Kleopatra ein Lied singen können (sollten).



Lisa ist eine junge Frau mit allen Vor- und Nachteilen und kein Mannweib. Sie will auch eine Frau sein und sie will lieben und geliebt werden (was meiner Meinung nach nicht typisch weiblich, sondern typisch menschlich ist, aber irgendwie dürfen Männer das nicht offen zugeben, die Armen). Sie ist bereit, für ihre Überzeugungen und für ihre Wünsche zu kämpfen, und gerät dabei - wer kennt das nicht - schnell in eine Zwickmühle. Simpel gefragt: Wie weit gehst du für die Liebe?
Und das ist - trotz einer ebenfalls genretypisch unvermeidlichen Reisetätigkeit - nicht etwa räumlich, sondern moralisch zu verstehen.

Um was geht es in Agentin 006y?

Lisa leidet auch ein Jahr noch unter der Trennung von Robin. Als der sie bittet, für ihn ihren neuen Chef auszuspionieren, willigt sie daher in der Hoffnung auf eine Versöhnung ein. Und kämpft fortan mit ihrem schlechten Gewissen (etwas, womit James nicht belastet ist, jedenfalls nie vor der Tat). Denn ihr Chef vertraut ihr. Und auch wenn er etwas schrullig ist (Irgendwer muss immer exzentrisch sein, das gehört sich so in Agentengeschichten), ist er eben irgendwo auch nett.
Um diesen Konflikt zwischen Loyalität und Liebe, zwischen Wunsch und Anstand entfaltet sich die Geschichte, bei der Lisa natürlich dem Chef gefährlich nahe kommt. Wobei natürlich die Gefahr auch in der Ausstrahlung des Chefs besteht, aber ebenso selbstverständlich auch in den Situationen, die diese Nähe mit sich bringt. Lisas Arbeitgeber steht nämlich im Brennpunkt des Konflikts zwischen rivalisierenden Geheimdiensten und Wirtschaftsspionen und dass es dort heiß hergeht, weiß man nicht erst seit Ian Fleming.
Als Neuling im Gewerbe ist Lisa, anders als James öfter überfordert, stellt sich aber ebenso wie ihr männliches Vorbild tapfer allen actionreichen und spannenden Herausforderungen und wächst dabei über sich hinaus (anders als James, der zumindest in den Filmen vom Start weg die Referenz in allen Klassen ist und allenfalls dort aneckt, wo man zu dumm ist, das zu erkennen).

Agentin 006y ist daher ein Buch, das ich aus nicht ganz uneigennützigen Erwägungen heraus zum Warmup für das Agentenfieber wärmstens empfehlen kann, oder auch als Begleitung. Oder, weil es eben doch in vielerlei Hinsicht anders ist, auch als Substitut.



Was ich sonst zur Agentin gebloggt habe, könnt Ihr hier nachlesen:

Agentin startet durch.
Release Agentin 006y