Mittwoch, 7. Januar 2015

Neujahrsvorsätze

Ich gelobe hiermit feierlich, dass ich wieder öfter blogge. Hier kann ich eigentlich viel besser teilen, was mich bewegt. Was ich so über das Schreiben, meine Projekte und den Buchmarkt denke, der sich mehr und mehr benimmt, wie ein Rodeo-Pferd.

Heute aber bin ich traurig.

Je suis Charlie. Das ist der Tiefpunkt in Sachen Meinungsfreiheit und ist vielleicht eine gute Gelegenheit für uns alle, die wir jetzt tief betroffen innehalten und Bildchen posten, wie weit es mit unserer eigenen Meinungsfreiheit bestellt ist und mit unserer Bereitschaft, für die Welt, wie wir sie haben wollen, einzustehen.

Gewalt ist keine Lösung. Auch wenn es oft der friedliche Widerstand ist, der als erster gebrochen wird.

Mehr mag ich gerade nicht sagen.


Edit: 08.01.2015

Jetzt habe ich eine Nacht darüber geschlafen und bin immer noch nicht besser drauf. Nicht weil ich so ein zartes Seelchen wäre. Bin ich nicht. Charlie Hebdo ist ein Satiremagazin, das bewusst immer hart am Wind gesegelt ist. Mir waren sie oft zu extrem, aber das rechtfertigt nicht, was geschehen ist. Ich hoffe, die sich nun aufbauende Welle der Anteilnahme und Empörung hilft hier zu einer Verbesserung. Ich bin aber skeptisch.

Mein Problem ist ein anderes: Ich saß gerade an den letzten  Korrekturen des Vampire Expert Guides, als mich die schreckliche Nachricht von den Vorfällen in Paris erreichte. Und damit eine Geschichte, die mich zutiefst erschüttert hat, gleicht das Vorgehen der Terroristen doch in signifikanten Details dem Vorgehen meiner Bösewichte, die sich anschickten, einen Oberwerwolf zu entführen. Das klingt lächerlich, aber es beschäftigt mich sehr. Denke ich wie ein Terrorist? Gibt es eine Logik des Verbrechens? Kann ich hellsehen? Oder klauen Verbrecher im doppelten Wortsinn meine Gedanken. Spontan habe ich beschlossen, den Erscheinungstermin eines doch überwiegend heiter gemeinten Buches zu verschieben und die wesentlichen Passagen umzubauen. Ich will Spannung beim Leser wecken, aber kein Grauen. Und ich möchte nicht auch nur den leichtesten Anschein erwecken, als wolle ich mit fremden Tränen Promotion machen.

Gestern hieß es, ich sei hysterisch.
Heute bin ich entschlossen. Ich schreibe um. Es ist eine Frage des Gewissens.