Sonntag, 6. Oktober 2013

Dicke Felle für den Dschungel Amazoniens.


Björk - renelutz (www.piqs.de)
Als der Teufel mal einen besonders guten Tag gehabt hat, hat er Amazons Ranking erfunden. 
Wer schon einmal, vorzugsweise zu vorgerückter Stunde, einer Autorenrunde gelauscht hat, wird sich unwillkürlich fragen, wie viele vermutlich sensationelle Geschichten allein deshalb unerzählt geblieben sind, weil ihr geistiger Vater stattdessen halbstündlich mit fadenscheinigen Ausreden bei Amazon vorbeigesurft ist, um sein Ranking zu überprüfen.

Es ist eine Sucht im reinsten Wortsinne, wie die das eigene Werk sich die Amazon Verkaufsränge hinaufhangelt, um dann meist früher als später wieder zu fallen und zu fallen und zu fallen. 

Und wenn man schon dabei ist, widmet man sich den Rezensionen. Den ehrlichen und nicht so ehrlichen. Natürlich will keiner zugeben, dass er sich über die wohlwollende, mehr personen- als werksmotivierte Rezension von Tante Irmi freut, die nie zuvor irgendwo was gepostet hat, aber eh - die Welt ist hart und man kann jede Unterstützung brauchen. Wenn dann aber mäßige Rezis eintrudeln oder gar Verrisse - dann liegt die Autorenseele danieder. Dann wird erst mal nicht mehr geschrieben, sondern gehadert. Griechische Tragödien dürften so entstanden sein, auch wenn es damals noch kein Amazon gab. Vielleicht gibt es wirklich Inkarnationszyklen und ich habe diesen Menschen, die sich anonym hinter Fluffy84 oder dergleichen verstecken, etwas in einem früheren Leben angetan? Den Mann ausgespannt oder die Kutsche zerkratzt?

Besonders verstörend ist, wenn sich dort über Dinge aufgeregt wird, die gar nicht in meinem Buch drinstehen. Sind das Leseproben-Kritiker, die sich anmaßen, nach den ersten 50 Seiten zu wissen, was in den restlichen 300 steht? Das ist unseriös und beschert vielen Psychiatern gute Einnahmen, bis die damit ausgelöste Schreibblockade erfolgreich (?) überwunden ist. Was reitet diese Rezensenten, ihre Rosinante zu satteln und die Welt vor meinem Werk zu warnen, das sie gar nicht studierten? 

Es steht außer Frage, dass ein schlechter Verkaufsrang und erst recht eine schlechte Kritik das Todesurteil jeden Werkes sind. Wir alle wissen, dass dann alles vorbei ist, der Traum zerplatzt. Niemand wird jemals wieder dieses Buch auch nur mit dem Hintern ansehen. Ich mochte z.B. Shades of Grey nicht und zwar zu Zeiten, wo es in den US-Charts weit von einem Spitzenplatz entfernt war. Ich mochte schon die Vorlage nicht, aber SoG geht gar nicht, auch wenn es mir ein bösartiger Freund empfohlen hat. Und das habe ich auch gesagt. Ich habe einen Verriss geschrieben. Einen bösen auf .com und auf .de und der wurde sogar als außerordentlich hilfreich gewertet. Der Rest ist Geschichte. SoG ist dazu verurteilt, auf den Verkaufstischen zu verstauben. Niemand liest es und Frau E. ist dazu verdammt, ihr Leben in Armut und Schande zu verbringen. Damit muss ich leben. Im Inkarnationszyklus werde ich dafür bezahlen. So oder so.

Aber das zeigt, dass man darauf nichts geben soll. Jedes Gefühl, das wir mit unseren Geschichten wecken, ist eine Reaktion und als solche berechtigt. Ärgert Euch nicht, sondern schreibt, denn dafür seid ihr da. Stellt Euch dem Publikum, stellt Euch der Kritik und schreibt weiter. Nur darum geht es. Es ist die innere Einstellung, um die es mir hier geht. Es ist Eure Geschichte, lasst sie Euch nicht zerreden. 
Auch die schlechten Kritiken beweisen, dass Ihr gelesen wurdet, dass Euer Buch aus der Masse anderer Bücher irgendwie herausgestochen ist. Damit habt Ihr etwas Wichtiges erreicht. Und ein Leser hat Zeit in Euch investiert. Er hat Euch gelesen - selbst wenn er es gehasst hat. Das ist doch was.
Es gibt keine schlechte Presse. Es gibt keine falschen Reaktionen. Jede Beachtung bringt Euch einen Schritt weiter. 

Auch wenn es schwer fällt: Legt Euch einen dicken Pelz zu. Macht Euch nicht von Statistiken abhängig. Schaut nicht öfter als alle paar Tage dort vorbei. Ich habe es ausprobiert, das Ranking lässt sich durch Page Impressions nicht beeinflussen. Ein Ranking besagt nicht mehr als "Noch" oder eben "Noch nicht".
Erfolg hängt nicht an Minutenaufnahmen bei Amazon und auch nicht an einzelnen Rezensionen. Abgerechnet wird zum Schluss und diesen Zeitpunkt bestimmt ihr allein.
Arbeitet, an Eurem Werk, an Euch, an Eurer Einstellung und bewerbt Euer Buch. Denn dann werdet Ihr auch Eure Fans finden. Oder - wissenschaftlicher ausgedrückt - Eure Zielgruppe. 
Und wie man die erreicht, darüber wollen wir gemeinsam nachdenken. 
Hier.